Neben Heilpflanzen beschreibt Monardes außerdem die medizinische Wirkung von Kälte, Eisen und anderen Mineralien. Sein Werk zeigt damit exemplarisch, wie koloniale Expansion, Wissensaneignung und medizinische Beobachtung im 16. Jahrhundert miteinander verflochten waren.
- Brill: From New Spain to Damascus: Ottoman Religious Authorities and the Making of Medical Knowledge on Tobacco
- München, Bayerische Staatsbibliothek
- National Bibliothek von Spanien
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- Schiebinger, Londa (Harvard University Press, 2004) : Plants and Empire: Colonial Bioprospecting in the Atlantic World
Das Werk entstand in einer Zeit, in der durch Kolonialisierung aber auch durch Reisen immer mehr Tier- und Pflanzenarten bekannt wurden. Linnés System bot erstmals eine übersichtliche Methode, diese Vielfalt zu ordnen. Später führte er auch die bis heute verwendete binäre/binomiale Nomenklatur ein, bei der jede Art aus einem Gattungsnamen und einem Artnamen besteht.
In seiner Sortierung ordnet er die Pflanzen auch stark binären Geschlechtern zu und übertrug damit eine gesellschaftliche Vorstellung von "männlich" und "weiblich" auf die Natur.
Linné verstand sein System jedoch nicht nur als praktisches wissenschaftliches Werkzeug. Als tief religiöser Naturforscher glaubte er, dass die Ordnung der Arten die göttliche Struktur der Schöpfung widerspiegele.
Linné ordnete auch den Menschen in dieses System ein. Bereits in der ersten Ausgabe von Systema Naturae klassifizierte er den Menschen innerhalb der Tierwelt, was zu dieser Zeit eine kontroverse Position war. Später unterschied er mehrere „Varianten“ des Menschen, darunter Europaeus, Americanus, Asiaticus und Africanus, die zunächst hauptsächlich nach geografischen und klimatischen Kriterien beschrieben wurden. In der 10. Auflage von Systema Naturea, 1758 ergänzte Linné diese Einteilung jedoch um körperliche und moralische Eigenschaften und begann, die Gruppen hierarchisch zu ordnen. Dabei verwendete er Kategorien wie Hautfarbe, Körperbau, Temperament, Verhalten und Regierungsformen. Diese Beschreibungen basierten häufig auf stereotypen Annahmen und spiegelten eine eurozentrische Perspektive wider. Obwohl Linné selbst noch nicht ausdrücklich von „Rassen“ im späteren wissenschaftlichen Sinn sprach, trugen seine Klassifikationen zur Entwicklung späterer rassistischer Theorien bei.
Trotz starker Kritik am Systema Naturae bildet das Klassitikationsprinzip bis heute die Grundlage der biologischen Systematik und der wissenschaftlichen Beschreibung von Arten.
- Freie Universität Berlin: Wissenschaftlichen Rassismus im 18. Jahrhundert: Carl von Linné und Immanuel Kant
- Gerda Henkel Stiftung: Carl von Linnés „Systema naturae“
- Schiebinger, Londa (Rutgers University Press, 1993) : Nature’s Body: Gender in the Making of Modern Science.
- Universitätsbibliothek RWTH Aachen: Die Dampfmaschine von James Watt
- Arno und Anneliese Peters (Frankfurt am Main 1952) : Synchronoptische Weltgeschichte
Allerdings besteht der Verdacht das Kies dabei eine Methode aufgriff, die Betsy Metcalf bereits Jahre zuvor entwickelt hatte. Metcalf verzichtete jedoch auf eine Patentanmeldung, sodass Kies offiziell als erste Patentinhaberin in die Geschichte einging. Wirtschaftlich profitierte sie kaum von ihrer Erfindung, da das Vermögen verheirateter Frauen gehörte rechtlich dem Ehemann.
Vor dieser europäischen Aneignung war die Pflanze bereits in Südamerika bekannt. Chinin wurde aus der Rinde des Chinarindenbaums (Cinchona) gewonnen. In der Andenregion wurde diese Rinde schon lange als Mittel gegen Fieber verwendet, bevor sie nach Europa gelangte.
Der Wirkstoff war unter dem Namen Quinquina bekannt, ein Begriff aus der Quechua-Sprache, und trug außerdem verschiedene lokale südamerikanische Bezeichnungen.
Wie dieses Wissen nach Europa gelangte, wird in historischen Quellen unterschiedlich erzählt. Einige Berichte führen die Verbreitung auf Jesuitenmissionare zurück, andere auf indigene Heiler*innen. In einem Bericht, den die Wissenschaftshistorikerin Londa Schiebinger erwähnt, wird erzählt, dass eine indigene Person einem kranken Jesuiten die Rinde zur Behandlung gab und so ihre medizinische Wirkung bekannt wurde.
Den heute wissenschaftlich gebräuchlichen Namen Cinchona erhielt die Pflanze später durch Carl Linnaeus (1707–1778).
Nach dem Historiker Tristan Oestermann gilt Chinin als das erste industriell hergestellte Medikament. Die Isolierung und Extraktion des Wirkstoffs im industriellen Maßstab werden häufig als ein früher Schritt in der Entwicklung der pharmazeutischen Industrie betrachtet.
Während der Kolonialzeit entstanden große Chinin-Plantagen, insbesondere in Indonesien (Java) und in Teilen der Demokratischen Republik Kongo und der Republik Kongo. Nach der Unabhängigkeit vieler Kolonien versuchten europäische Unternehmen teilweise, ihren Einfluss auf Produktion und Handel zu bewahren und der Dekolonialisierung dieser Plantagen entgegenzuwirken.
- Deutschalndfunk: Die politische Bedeutung von Chinin
- Spektrum: Chinin
- Schiebinger, L. ((2004, Harvard University Press)) : Plants and empire: Colonial bioprospecting in the Atlantic world.
In Zusammenarbeit mit dem Mathematiker Charles Babbage beschäftigte sie sich mit dessen Entwurf einer mechanischen Rechenmaschine, der „Analytical Engine“. 1843 übersetzte Lovelace einen französischen Text über diese Maschine und ergänzte ihn um umfangreiche eigene Anmerkungen. In ihrer berühmten „Note G“ formulierte sie eine detaillierte Anleitung zur Berechnung von Bernoulli-Zahlen für Babbages Maschine. Diese Beschreibung gilt heute als der erste veröffentlichte Computeralgorithmus und wird oft als das erste Computerprogramm der Geschichte bezeichnet.
Besonders bemerkenswert war Lovelaces Erkenntnis, dass programmierbare Maschinen nicht nur Zahlen berechnen, sondern grundsätzlich auch andere Zeichen oder Informationen verarbeiten könnten. Sie stellte sich sogar vor, dass Maschinen Musik komponieren könnten, wenn deren Strukturen formal beschrieben werden. Diese Idee der symbolischen Informationsverarbeitung war ihrer Zeit weit voraus und gilt heute als eine frühe Vision moderner Informatik.
Zu ihren Lebzeiten blieb ihre Leistung weitgehend unbeachtet. Erst mehr als hundert Jahre später wurde Ada Lovelace als Pionierin der Programmierung wiederentdeckt. Heute erinnern unter anderem die Programmiersprache Ada sowie internationale Gedenktage und Preise an ihre Rolle in der frühen Geschichte der Informatik.
Das System funktioniert, indem eine Videokamera das scheinbar frei im Raum schwebende Spiegelbild eines Objekts aufnimmt. Dieses Signal wird an einen zweiten Standort übertragen, wo ein weiterer konkaver Spiegel das Bild so projiziert, dass erneut der Eindruck eines dreidimensionalen, realen Objekts entsteht. Dadurch können optische 3D-Illusionen übertragen werden.
Die Idee entstand 1976 nach der Beobachtung einer Spiegelinstallation, bei der eine Glühbirne scheinbar frei über einer Fassung schwebte. Thomas erkannte das Potenzial dieser optischen Täuschung und entwickelte daraus ein übertragbares Bildsystem.
Der Illusion Transmitter gilt als ein früher Beitrag zur Entwicklung von 3D-Bildgebung und Visualisierungstechnologien und wird häufig als Beispiel für innovative Anwendungen optischer Projektion genannt.
Valerie L. Thomas, langjährige Mitarbeiterin der NASA und Expertin für Bilddatenanalyse, verfolgte mit ihrer Erfindung kein primär kommerzielles Ziel. Dennoch gilt der Illusion Transmitter als bemerkenswerte Innovation im Bereich der optischen Bildübertragung.
Tagore (1861–1941) war Dichter, Philosoph, Komponist, Pädagoge und Maler. In Indien lebend verband er literarisches Schaffen mit politischer und sozialer Verantwortung. Er kritisierte die britische Kolonialherrschaft offen und gab 1919 aus Protest gegen das Massaker von Amritsar seinen britischen Adelstitel zurück. Gleichzeitig entwickelte er Bildungs und Reformprojekte, unter anderem die Schule Santiniketan, aus der später die internationale Universität Visva Bharati hervorging.
Sein Werk bewegt sich zwischen Lyrik, Musik, Philosophie und Malerei. Die Texte zweier Nationalhymnen stammen von ihm, der indischen Jana Gana Mana und der bangladeschischen Amar Shonar Bangla.
Mit dem Nobelpreis wurde Tagore weltweit bekannt. Seine kritische Haltung gegenüber imperialer Macht und seine Vision einer kulturell verbundenen Welt entwickelten sich jedoch unabhängig von westlicher Anerkennung.
Beauvoir analysiert, wie Männer sich als Norm setzen und Frauen als „das Andere“ markieren. Weiblichkeit erscheint dadurch als Abweichung vom männlichen Maßstab, als „zweites“ Geschlecht. Diese Ordnung prägt Körperbilder, Erziehung, Sexualität, Arbeit, Familie und Selbstwahrnehmung und kann bis zur Entfremdung vom eigenen Körper sowie zur Einschränkung von Autonomie führen. Gleichzeitig betont Beauvoir im existenzialistischen Sinne die menschliche Freiheit, aus der gesellschaftlichen Immanenz auszubrechen und sich handelnd auf die Zukunft zu beziehen.
Ihre Wirkung entfaltete Beauvoirs Werk besonders in der zweiten Frauenbewegung der 1960er und 1970er Jahre und wurde zu einem grundlegenden Referenztext des modernen, insbesondere westlichen Feminismus.
In dem Werk dokumentieren sie die Menschheitsgeschichte von 1000 v. Chr. bis 1952 n. Chr. in den hier gekürzt dargestellten Kategorien: Kriege, Politik, weltgeschichtliche Persönlichkeiten, Kultur, Wirtschaft und Kulturepochen.
Dabei bauen sie auf einer langen Tradition der Zeitkartografie auf.
- herodot: Zeitkartografie und Ereignisnetze
- Staatsbibiliothek zu Berlin: Der Digitale Peters: Die größte Weltkarte der Zeit macht die unsichtbaren Zusammenhänge der Geschichte sichtbar
- Arno und Anneliese Peters (Frankfurt am Main 1952) : Synchronoptische Weltgeschichte
Die digitale Ausgabe entstand in Kooperation mit dem Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften an der Universität Trier. Sie ergänzt das ursprüngliche Buch um Such-, Verknüpfungs- und Navigationsfunktionen. Nutzer*innen können historische Ereignisse und Personen recherchieren, ihre Zusammenhänge nachvollziehen und eigene thematische Zeitkarten erstellen.
Trotz anfänglicher Versuche gütlicher Verhandlungen leiteten die Landesherren der betroffenen Gebiete , maßgeblich der Schwäbische Bund als Zusammenschluss süddeutscher Reichsstände, militärische Maßnahmen gegen die vielerorts in sogenannten „Haufen“ zusammengeschlossenen Aufständischen ein. Binnen weniger Monate wurden die Erhebungen niedergeschlagen; Zehntausende der daran Beteiligten kamen dabei ums Leben.
In der DDR wurde der Bauernkrieg von 1525 von der offiziellen Geschichtsschreibung vereinnahmt und teilweise als eine Art frühsozialistische Revolution interpretiert. Möglicherweise liegt es auch daran, dass der Aufstand von Bäuer*innen, Leibeigenen und einfachen Stadtbürger*innen in Südwest- und Mitteldeutschland heute nur eine geringe Rolle in der deutschen Erinnerungskultur spielt.
In Cajamarca griffen spanische Truppen 1532 Atahualpas Gefolge in einem vorbereiteten Hinterhalt an, töteten Tausende Menschen und nahmen den Inka-Herrscher gefangen. Trotz eines großen Lösegelds aus Gold und Silber ließen sie ihn 1533 hinrichten. Noch im selben Jahr nahmen die Spanier die Hauptstadt Cuzco ein.
Widerstand gegen die koloniale Herrschaft formierte sich unter Manco Inca II., der 1536 einen Aufstand anführte und den Kampf aus der Region Vilcabamba fortsetzte. Der letzte unabhängige Inkaherrscher Túpac Amaru I. wurde 1571 von den spanischen Kolonialbehörden gefangen genommen und hingerichtet. Erst rund 40 Jahre nach dem ersten Eindringen der spanischen Truppen gelang es der spanischen Kolonialmacht, das Inkareich vollständig unter ihre Kontrolle zu bringen.
Nach dem Entsatz Wiens am 12. September 1683 formierte sich 1684 eine Koalition aus Habsburg, Polen-Litauen, Venedig und später Russland. Der Krieg verlagerte sich nach Ungarn und auf den Balkan. Mit der Rückeroberung Budás (heute Teil der ungarischen Hauptstadt Budapest) und dem Sieg bei Zenta (1697) geriet das Osmanische Reich zunehmend in die Defensive.
Der Frieden von Karlowitz (1699) markierte eine entscheidende Machtverschiebung: Fast ganz Ungarn und Siebenbürgen (heute Teil Rumäniens) fielen an die Habsburger. Damit verlor das Osmanische Reich erstmals dauerhaft größere Gebiete in Mitteleuropa.
Der Krieg war weniger ein „Kampf der Kulturen“ als ein dynastischer und territorialer Machtkonflikt zwischen Großreichen. Religiöse Rhetorik spielte zwar eine mobilisierende Rolle, doch entscheidend waren strategische Interessen, Bündnispolitik und die Kontrolle von Ressourcen und Handelsräumen. In der späteren Erinnerung wurde das Ereignis häufig ideologisch überhöht, die neuere Forschung betont jedoch die komplexen politischen und militärischen Strukturen hinter dem Konflikt.
- Habsburger.net: „Zweite Türkenbelagerung Wiens 1683“
- Bernhard R. Kroener (1985) : Wien 1683. Internationale Politik und Kriegführung im 17. Jahrhundert – Probleme der Forschung, in: Zeitschrift für Historische Forschung 12, S. 181–216.
- Dieter Mertens, in: Heinz Duchhardt (Hg.) (Köln 1991) : Europäischer Friede und Türkenkrieg im Spätmittelalter: Zwischenstaatliche Friedenswahrung in Mittelalter und Früher Neuzeit, S. 45–90.
Zeitgenössische Berichte sprechen von bis zu 7.000 Frauen. In Versailles drangen Teile der Menge in das Schloss ein, mehrere königliche Leibgardisten wurden getötet. Unter dem Druck der Demonstrierenden sah sich Ludwig XVI. gezwungen, die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte anzuerkennen und eine bessere Versorgung mit Getreide zu versprechen. Am 6. Oktober 1789 musste der König schließlich mit seiner Familie nach Paris übersiedeln, wo er im Tuilerienpalast unter die Kontrolle der revolutionären Öffentlichkeit geriet.
Der Marsch nach Versailles gilt als wichtiger Wendepunkt der frühen Revolution. Historiker*innen sehen darin zugleich einen bedeutenden Moment weiblicher Politisierung und der politischen Mobilisierung der Pariser Bevölkerung.
- WDR
- Leonie Schöler (2024, Penguin Verlag, München) : Beklaute Frauen
Die Bewegung entstand 1903 mit der Gründung der Women’s Social and Political Union (WSPU) durch Emmeline Pankhurst. Im Gegensatz zu den konstitutionellen Suffragistinnen, die vor allem parlamentarische Mittel nutzten, setzten die Suffragetten auf direkte Protestformen, gezielte Öffentlichkeitswirkung und die Mobilisierung der Bevölkerung. In der WSPU waren Männer offiziell ausgeschlossen, aber es existierten unterstützende Männerorganisationen wie die Men’s League for Women’s Suffrage.
Die Entwicklung der WSPU lässt sich in vier Phasen gliedern: von der Eroberung der Öffentlichkeit (1903–1908) über eine Radikalisierung mit zunehmenden Verhaftungen und Hungerstreiks (1909–1911), bis zu gewaltsamen Aktionen gegen Eigentum (1911–1914). Mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs erklärten sich die Suffragetten patriotisch, setzten die militanten Aktionen aus und engagierten sich stattdessen im Kriegsdienst.
Trotz der umstrittenen Methoden trugen die Suffragetten entscheidend dazu bei, das Frauenstimmrecht in die öffentliche Debatte zu bringen, neue Protestformen bekannt zu machen und das Bild der passiven Frau zu verändern. 1918 wurde schließlich das eingeschränkte Frauenwahlrecht eingeführt, zunächst für Frauen ab 30 Jahren, die bestimmte Besitzkriterien erfüllten. Das vollständige Wahlrecht für Frauen ab 21 kam erst 1928.
- bbc
- Deutschlandfunk
- Jana Günther für Aus Politik und Zeitgeschichte/bpb.de
- Leonie Schöler (2024, Penguin Verlag, München) : Beklaute Frauen
Katharina setzte Reformen im Schulwesen um, führte Impfkampagnen gegen Pocken durch und versuchte, diskutierte Reformen der Leibeigenschaft, stieß dabei jedoch auf Widerstand des Adels, der ihre Reformen blockierte. Unter ihrer Herrschaft stieg die Bevölkerung von etwa 20 auf 36 Millionen, und Russland vergrößerte sein Territorium durch Kriege gegen das Osmanische Reich, die Annektierung der Krim sowie durch die drei Teilungen Polens.
Als Katharina 1796 starb, hinterließ sie ein modernisiertes, multiethnisches Reich mit gestärkter Stellung in Europa, das trotz sozialer Ungleichheiten auf dem Weg in die Moderne war.
- Deutschlandfunke: Wie Katharina die Große aus Russland eine Großmacht machte
- National Geographic: Idealistisch und knallhart: Katharina die Große
- Arno und Anneliese Peters (Frankfurt am Main 1952) : Synchronoptische Weltgeschichte
De Gouges engagierte sich zudem gegen die Sklaverei und kritisierte die Todesstrafe sowie die zunehmende Radikalisierung der Revolution. Mit ihren Schriften und öffentlichen Stellungnahmen machte sie sich angreifbar. 1793 wurde sie wegen angeblichen Hochverrats verhaftet und schließlich hingerichtet. Heute wird sie als eine der frühen Vertreterinnen der Frauenrechte und als wichtige Stimme der Revolutionszeit gewürdigt.
- FrauenMediaTurm – Feministisches Archiv und Bibliothek
- Die Zeit
- Leonie Schöler (2024, Penguin Verlag, München) : Beklaute Frauen
1859 veröffentlichte Darwin sein Hauptwerk On the Origin of Species. Darin erklärte er, dass sich Arten durch Variation und natürliche Selektion verändern: Individuen mit günstigen Eigenschaften haben bessere Chancen zu überleben und sich fortzupflanzen. Darwins Werk markierte einen Wendepunkt in der Wissenschaftsgeschichte, weil es die Vielfalt des Lebens nicht mehr als einmaligen Schöpfungsakt, sondern als Ergebnis eines langen Entwicklungsprozesses deutete. Trotz heftiger Kritik wurde seine Theorie zur Grundlage der modernen Biologie.
Seit der Veröffentlichung der Evolutionstheorie kommt es immer wieder zu Konflikten mit religiösen Vorstellungen über die Entstehung der Welt. Besonders der Kreationismus stellt Darwins Erkenntnisse in Frage. Diese Weltanschauung geht davon aus, dass die Erde und das Leben durch einen göttlichen Schöpfungsakt entstanden seien und lehnt die biologische Evolution ab. Kreationistische Positionen treten bis heute in öffentlichen Debatten, im Bildungsbereich und in politischen Auseinandersetzungen auf.
Gleichzeitig wird Darwins Theorie häufig mit dem Sozialdarwinismus und rassistischen Ideologien in Verbindung gebracht. Historische Forschungen zeigen jedoch, dass viele dieser Ideen nicht direkt aus Darwins wissenschaftlicher Arbeit hervorgingen. Vielmehr wurden einzelne Begriffe und Konzepte aus der Evolutionstheorie im 19. und frühen 20. Jahrhundert politisch umgedeutet und mit imperialistischen, nationalistischen oder religiösen Vorstellungen verbunden. Darwins naturwissenschaftliche Theorie selbst zielte darauf ab, die Entwicklung der Arten zu erklären.
- ARD: Charles Darwin beschreibt die Evolution - eine Revolution!
- Geolino
- Luxemburg: Unser Lebensrecht ist nicht diskutierbar!
- Rosa-Luxemburg-Stiftung: Darwins Evolutionstheorie und Kritik des Kreationismus
- Arno und Anneliese Peters (Frankfurt am Main 1952) : Synchronoptische Weltgeschichte
Nach Lincolns Wahl 1860 spalteten sich mehrere Südstaaten ab und gründeten die Konföderierten Staaten von Amerika, was zum Sezessionskrieg (1861–1865) führte. Lincoln betrachtete die Abspaltung als verfassungswidrig und bestand auf dem Erhalt der Union. Mit der Emancipation Proclamation erklärte er die Versklavten in den rebellierenden Staaten für frei. Die Erklärung war zunächst eine militärische Maßnahme im Krieg, veränderte jedoch grundlegend den Charakter des Konflikts und bereitete die vollständige Abschaffung der Sklaverei vor.
Nach dem verlorenen Bürgerkrieg vereinten sich die Demokraten schließlich wieder, blieben aber eine Partei mit zwei Gesichtern, wenn es um die Frage der Segregation ging. Im Süden waren die Demokraten deren entschlossene Verteidiger und dominierten deshalb die ehemaligen Staaten der abtrünnigen Konföderation, den „Solid South“, für über einhundert Jahre. Lincoln selbst setzte nach seiner Wiederwahl 1864 auf eine vergleichsweise milde Reintegration der Südstaaten. Doch dazu kam es nur begrenzt: Am 14. April 1865 wurde er von dem Südstaatensympathisanten John Wilkes Booth ermordet.
Seine Politik wird differenziert diskutiert, zum einen wegen seiner Haltung zur Gleichberechtigung Schwarzer Amerikaner*innen, aber auch wegen der weitreichenden Vollmachten des Präsidenten im Krieg.
- Kathrin Fromm (2010) Abraham Lincoln
- Libary Of Congress
- Rosa-Luxemburg-Stiftung: Der Civil Rights Act von 1964
- Arno und Anneliese Peters (Frankfurt am Main 1952) : Synchronoptische Weltgeschichte
Während der Revolution von 1848/49 engagierte sie sich aktiv in der demokratischen Bewegung. In Köln gründete sie gemeinsam mit ihrem Mann Fritz Anneke eine Zeitung und veröffentlichte später eine „Frauen-Zeitung“, in der sie Gleichberechtigung und Bildung für Frauen forderte. Nach der Niederschlagung der Revolution nahm sie auch am badisch-pfälzischen Aufstand von 1849 teil und ritt als Ordonnanzoffizierin und Berichterstatterin. Nach dem Scheitern der Revolution floh sie wie viele sogenannte „Forty-Eighters“ ins Exil in die USA.
In den Vereinigten Staaten entwickelte sich Anneke zu einer wichtigen Stimme der Frauenstimmrechtsbewegung und engagierte sich zugleich gegen die Sklaverei. In Milwaukee gründete sie eine fortschrittliche Mädchenschule und arbeitete weiterhin als Journalistin, Autorin und Aktivistin. Bis zu ihrem Tod 1884 setzte sie sich für politische Teilhabe, Bildung und Gleichberechtigung ein.
Anneke verband bereits im 19. Jahrhundert zentrale Kämpfe miteinander: den Einsatz für Demokratie, Frauenrechte und die Abschaffung der Sklaverei. Trotz ihrer internationalen Bedeutung geriet sie lange in Vergessenheit und wird erst seit einigen Jahrzehnten wieder stärker als wichtige Figur der Demokratie- und Frauenbewegung gewürdigt.
Marx dachte jedoch nicht nur über Ökonomie, sondern auch über die Befreiung des Menschen aus Verhältnissen von Unterdrückung, Abhängigkeit und Entfremdung nach. Zugleich wird sein Werk heute kritisch daraufhin befragt, dass Fragen von Geschlecht, Sorgearbeit und der konkreten Lebensrealität von Frauen darin oft nachgeordnet blieben. In der Forschung wird zudem diskutiert, welchen Anteil seine Frau Jenny Marx und seine Tochter Eleanor Marx an seinem Denken, seiner politischen Arbeit und der Verbreitung seiner Schriften hatten. Marx’ Ideen prägten sozialistische und kommunistische Bewegungen weltweit, wurden jedoch sehr unterschiedlich interpretiert und politisch instrumentalisiert. Bis heute bleibt er ein zentraler Bezugspunkt für die Kritik kapitalistischer Gesellschaften.
- bpb: Karl Marx -Denker, Revolutionär, Utopist 1818 -1883 -1968
- Lebendiges Museum: Karl marx
- Rosa Luxemburg Stiftung: Karl Marx – Ein revolutionärer Denker
- Wolfgang Hammern (1968) Karl Marx, Prophet der neuen Gesellschaft
- Arno und Anneliese Peters (Frankfurt am Main 1952) : Synchronoptische Weltgeschichte
- Leonie Schöler (2024, Penguin Verlag, München) : Beklaute Frauen
Mary Louise Booth wurde am 19. April 1831 in Millville im Bundesstaat New York geboren und entwickelte sich zu einer bedeutenden amerikanischen Journalistin, Übersetzerin und Publizistin. Nach kurzer Tätigkeit als Lehrerin zog sie nach Manhattan, wo sie tagsüber als Näherin arbeitete und nachts schrieb und studierte. Sie veröffentlichte Artikel in verschiedenen Zeitungen und arbeitete unter anderem als Reporterin für die New York Times. Besonders bekannt wurde sie durch ihre zahlreichen Übersetzungen aus dem Französischen, darunter Werke von Blaise Pascal und Victor Cousin.
Während des amerikanischen Bürgerkriegs engagierte sich Booth öffentlich gegen die Sklaverei und übersetzte mehrere politisch einflussreiche Texte, die die Sache der Union unterstützten und breite Aufmerksamkeit fanden. 1867 wurde sie zur ersten Chefredakteurin der Zeitschrift Harper’s Bazar ernannt und prägte das Magazin über viele Jahre hinweg.
Booths journalistische, literarische und politische Arbeit steht exemplarisch für den Einfluss von Frauen auf die Reformbewegungen des 19. Jahrhunderts und ist eng mit den transatlantischen Netzwerken der Frauen- und Abolitionsbewegung verbunden.
Luxemburg verband die Forderung nach sozialer Gleichheit mit politischer Freiheit und trat entschieden gegen autoritäre Entwicklungen auf. Zugleich blieb sie auch gegenüber der russischen Revolution kritisch und warnte früh vor der Ausschaltung innerparteilicher Demokratie. Als jüdische Frau in der Politik war sie vielfachen Anfeindungen ausgesetzt. Nach ihrer Ermordung am 15. Januar 1919 wurde sie sehr unterschiedlich erinnert: diffamiert, verehrt und immer wieder neu gelesen. Bis heute inspiriert und polarisiert Rosa Luxemburg als radikale Sozialistin, Internationalistin und Kritikerin von Krieg, Kapitalismus und politischer Unterdrückung.
Ihr Antrag wurde zunächst abgelehnt. Daraufhin mobilisierte Selbert gezielt Presse und Öffentlichkeit. Zahlreiche Frauenverbände und Einzelpersonen protestierten beim Parlamentarischen Rat, sodass schließlich am 18. Januar 1949 der Gleichheitsgrundsatz als unveräußerliches Grundrecht ins Grundgesetz aufgenommen wurde.
Selbert hatte ihr Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nachgeholt, Jura studiert und während der NS-Zeit als Anwältin gearbeitet. Nach 1945 engagierte sie sich politisch für die SPD, unter anderem im Hessischen Landtag. Die Gleichberechtigung von Frauen blieb ihr zentrales politisches Anliegen.
Lorde nutzte Lyrik, Essays und autobiografische Texte, um Rassismus, Sexismus, Homophobie und andere Formen gesellschaftlicher Ungerechtigkeit offen zu benennen und zu analysieren. In Werken wie The Cancer Journals und Sister Outsider verband sie persönliche Erfahrungen mit scharfer Kritik sozialer Unterdrückung und prägte damit feministische, antirassistische und queere Diskurse nachhaltig.
Neben ihrer schriftstellerischen Arbeit engagierte sie sich aktiv in Bürgerrechtsbewegungen und setzte sich für Frauenrechte, queere Selbstbestimmung und die Sichtbarkeit marginalisierter Stimmen ein. In den 1980er Jahren war sie mehrfach Gastprofessorin in Berlin und inspirierte dort maßgeblich feministische und afro-deutsche Aktivist*innen.
- Hoffmann, Jule (2024): Audre Lorde Austellung über eine Ikone der Afro-deutschen Frauenbewegung, in: Deutschlandfunk Kultur
- Kraft, Marion (2018): Audre Lorde, in: Digitales Deutsches Frauenarchiv URL: https://www.digitales-deutsches-frauenarchiv.de/akteurinnen/audre-lorde Zuletzt besucht am: 27.02.2026
- National Women’s History Museum. (o. J.). Audre Lorde
Sie kritisiert, dass Feminismus historisch meist von weißen Mittelschichtsperspektiven dominiert wird und dadurch Klassen- und Rassismusfragen an den Rand gedrängt werden. Ihre Vision ist eine solidarische, inklusive Gesellschaft, in der Feminismus als Praxis von Gerechtigkeit und Freiheit verstanden wird.
Der spanische Arzt Nicolás Monardes veröffentlichte zwischen 1565 und 1574 sein mehrbändiges Werk "Historia medicinal de las cosas que se traen de nuestras Indias Occidentales". Darin beschreibt er zahlreiche Heilpflanzen und andere Naturprodukte aus Amerika. Das Werk zählt zu den frühen medizinischen Studien, die Wissen über außereuropäische Pflanzen und Substanzen in die europäische Medizin einführten und verbreiteten. Besonders einflussreich war Monardes Darstellung von Tabak, dessen medizinische Verwendung er ausführlich behandelte.
Neben Heilpflanzen beschreibt Monardes außerdem die medizinische Wirkung von Kälte, Eisen und anderen Mineralien. Sein Werk zeigt damit exemplarisch, wie koloniale Expansion, Wissensaneignung und medizinische Beobachtung im 16. Jahrhundert miteinander verflochten waren.
- Brill: From New Spain to Damascus: Ottoman Religious Authorities and the Making of Medical Knowledge on Tobacco
- München, Bayerische Staatsbibliothek
- National Bibliothek von Spanien
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- Schiebinger, Londa (Harvard University Press, 2004): Plants and Empire: Colonial Bioprospecting in the Atlantic World
1690 stellt der französische Erfinder Denis Papin den ersten funktionsfähigen Prototyp einer Dampfmaschine vor, die auf dem Prinzip von Kolben und Zylinder basiert. Seine Forschungsschwerpunkte lagen auf Luftdruck, Vakuum und Dampfkraft. Zu seinen Entwicklungen zählten innovative Pumpen für die Bergwerksentwässerung, leistungsstärkere Öfen, ein Unterwasserfahrzeug sowie die erste Dampfmaschine mit Zylinder und darin beweglichem Kolben. Allerdings ereigneten sich bei seinen Versuchen, insbesondere mit Dampfkanonen, wiederholt gefährliche Unfälle.
Der schwedische Naturforscher Carl von Linné (1707–1778) veröffentlichte 1735 in Leiden die erste Ausgabe seines Werkes Systema Naturae. Darin entwickelte er ein umfassendes Klassifikationsprinzip für die gesamte Natur. Linné unterteilte die Natur in drei Reiche: Pflanzen, Tiere und Mineralien. Er gliederte sie hierarchisch in Klassen, Ordnungen, Gattungen und Arten. Jede Art erhielt eine feste Position innerhalb dieses Systems.
Das Werk entstand in einer Zeit, in der durch Kolonialisierung aber auch durch Reisen immer mehr Tier- und Pflanzenarten bekannt wurden. Linnés System bot erstmals eine übersichtliche Methode, diese Vielfalt zu ordnen. Später führte er auch die bis heute verwendete binäre/binomiale Nomenklatur ein, bei der jede Art aus einem Gattungsnamen und einem Artnamen besteht.
In seiner Sortierung ordnet er die Pflanzen auch stark binären Geschlechtern zu und übertrug damit eine gesellschaftliche Vorstellung von "männlich" und "weiblich" auf die Natur.
Linné verstand sein System jedoch nicht nur als praktisches wissenschaftliches Werkzeug. Als tief religiöser Naturforscher glaubte er, dass die Ordnung der Arten die göttliche Struktur der Schöpfung widerspiegele.
Linné ordnete auch den Menschen in dieses System ein. Bereits in der ersten Ausgabe von Systema Naturae klassifizierte er den Menschen innerhalb der Tierwelt, was zu dieser Zeit eine kontroverse Position war. Später unterschied er mehrere „Varianten“ des Menschen, darunter Europaeus, Americanus, Asiaticus und Africanus, die zunächst hauptsächlich nach geografischen und klimatischen Kriterien beschrieben wurden. In der 10. Auflage von Systema Naturea, 1758 ergänzte Linné diese Einteilung jedoch um körperliche und moralische Eigenschaften und begann, die Gruppen hierarchisch zu ordnen. Dabei verwendete er Kategorien wie Hautfarbe, Körperbau, Temperament, Verhalten und Regierungsformen. Diese Beschreibungen basierten häufig auf stereotypen Annahmen und spiegelten eine eurozentrische Perspektive wider. Obwohl Linné selbst noch nicht ausdrücklich von „Rassen“ im späteren wissenschaftlichen Sinn sprach, trugen seine Klassifikationen zur Entwicklung späterer rassistischer Theorien bei.
Trotz starker Kritik am Systema Naturae bildet das Klassitikationsprinzip bis heute die Grundlage der biologischen Systematik und der wissenschaftlichen Beschreibung von Arten.
- Freie Universität Berlin: Wissenschaftlichen Rassismus im 18. Jahrhundert: Carl von Linné und Immanuel Kant
- Gerda Henkel Stiftung: Carl von Linnés „Systema naturae“
- Schiebinger, Londa (Rutgers University Press, 1993): Nature’s Body: Gender in the Making of Modern Science.
James Watt meldet sein Patent auf „Steam Engines &c.“ an. Seine Entwicklung an der von Thomas Newcomen erfundenen Dampfmaschine machte sie entscheidend für die industrielle Revolution. Konkret entwickelte Watt einen Dampf-Wärmeaustauscher, mit dem der Dampf nach dem Kondensieren in einem Kondensorteil gespeichert wird. Der entscheidende Beitrag zur Effizienzsteigerung durch James Watt erfolgte jedoch durch die Einführung des Doppeltätigkeitsprinzips.
- Universitätsbibliothek RWTH Aachen: Die Dampfmaschine von James Watt
- Arno und Anneliese Peters (Frankfurt am Main 1952): Synchronoptische Weltgeschichte
Mary Dixon Kies erhielt am 5. Mai 1809 als erste Frau in den USA ein Patent. Geschützt wurde ein Verfahren zur Herstellung von Strohhüten, bei dem Stroh mit Baumwolle oder Seide verwoben wurde. Diese Technik machte die Hüte stabiler und zugleich modischer, ein Vorteil für die aufstrebende amerikanische Hutindustrie, die im Zuge der wirtschaftlichen Unabhängigkeitsbestrebungen von Europa an Bedeutung gewann.
Allerdings besteht der Verdacht das Kies dabei eine Methode aufgriff, die Betsy Metcalf bereits Jahre zuvor entwickelt hatte. Metcalf verzichtete jedoch auf eine Patentanmeldung, sodass Kies offiziell als erste Patentinhaberin in die Geschichte einging. Wirtschaftlich profitierte sie kaum von ihrer Erfindung, da das Vermögen verheirateter Frauen gehörte rechtlich dem Ehemann.
In europäischen Medien wird die „Entdeckung“ des Alkaloids Chinin meist den Chemikern Pierre-Joseph Pelletier und Joseph-Bienaimé Caventou zugeschrieben, die den Wirkstoff 1820 erstmals isolierten. Das Mittel wurde lange Zeit als das einzige wirksame Medikament gegen Malaria eingesetzt.
Vor dieser europäischen Aneignung war die Pflanze bereits in Südamerika bekannt. Chinin wurde aus der Rinde des Chinarindenbaums (Cinchona) gewonnen. In der Andenregion wurde diese Rinde schon lange als Mittel gegen Fieber verwendet, bevor sie nach Europa gelangte.
Der Wirkstoff war unter dem Namen Quinquina bekannt, ein Begriff aus der Quechua-Sprache, und trug außerdem verschiedene lokale südamerikanische Bezeichnungen.
Wie dieses Wissen nach Europa gelangte, wird in historischen Quellen unterschiedlich erzählt. Einige Berichte führen die Verbreitung auf Jesuitenmissionare zurück, andere auf indigene Heiler*innen. In einem Bericht, den die Wissenschaftshistorikerin Londa Schiebinger erwähnt, wird erzählt, dass eine indigene Person einem kranken Jesuiten die Rinde zur Behandlung gab und so ihre medizinische Wirkung bekannt wurde.
Den heute wissenschaftlich gebräuchlichen Namen Cinchona erhielt die Pflanze später durch Carl Linnaeus (1707–1778).
Nach dem Historiker Tristan Oestermann gilt Chinin als das erste industriell hergestellte Medikament. Die Isolierung und Extraktion des Wirkstoffs im industriellen Maßstab werden häufig als ein früher Schritt in der Entwicklung der pharmazeutischen Industrie betrachtet.
Während der Kolonialzeit entstanden große Chinin-Plantagen, insbesondere in Indonesien (Java) und in Teilen der Demokratischen Republik Kongo und der Republik Kongo. Nach der Unabhängigkeit vieler Kolonien versuchten europäische Unternehmen teilweise, ihren Einfluss auf Produktion und Handel zu bewahren und der Dekolonialisierung dieser Plantagen entgegenzuwirken.
- Deutschalndfunk: Die politische Bedeutung von Chinin
- Spektrum: Chinin
- Schiebinger, L. ((2004, Harvard University Press)): Plants and empire: Colonial bioprospecting in the Atlantic world.
Ada Lovelace (1815–1852), Tochter des Dichters Lord Byron, erhielt eine für ihre Zeit außergewöhnliche naturwissenschaftliche Ausbildung. Ihre Mutter förderte gezielt mathematische und wissenschaftliche Interessen, um sie bewusst von der literarischen Welt ihres Vaters fernzuhalten. In einer Epoche, in der Frauen der Zugang zu höherer naturwissenschaftlicher Bildung weitgehend verwehrt war, konnte Lovelace ihr Talent nur dank ihrer privilegierten Herkunft und privater Lehrer entwickeln.
In Zusammenarbeit mit dem Mathematiker Charles Babbage beschäftigte sie sich mit dessen Entwurf einer mechanischen Rechenmaschine, der „Analytical Engine“. 1843 übersetzte Lovelace einen französischen Text über diese Maschine und ergänzte ihn um umfangreiche eigene Anmerkungen. In ihrer berühmten „Note G“ formulierte sie eine detaillierte Anleitung zur Berechnung von Bernoulli-Zahlen für Babbages Maschine. Diese Beschreibung gilt heute als der erste veröffentlichte Computeralgorithmus und wird oft als das erste Computerprogramm der Geschichte bezeichnet.
Besonders bemerkenswert war Lovelaces Erkenntnis, dass programmierbare Maschinen nicht nur Zahlen berechnen, sondern grundsätzlich auch andere Zeichen oder Informationen verarbeiten könnten. Sie stellte sich sogar vor, dass Maschinen Musik komponieren könnten, wenn deren Strukturen formal beschrieben werden. Diese Idee der symbolischen Informationsverarbeitung war ihrer Zeit weit voraus und gilt heute als eine frühe Vision moderner Informatik.
Zu ihren Lebzeiten blieb ihre Leistung weitgehend unbeachtet. Erst mehr als hundert Jahre später wurde Ada Lovelace als Pionierin der Programmierung wiederentdeckt. Heute erinnern unter anderem die Programmiersprache Ada sowie internationale Gedenktage und Preise an ihre Rolle in der frühen Geschichte der Informatik.
Mit dem sogenannten „Illusion Transmitter“ entwickelte die amerikanische Physikerin Valerie L. Thomas Ende der 1970er Jahre ein Verfahren zur Übertragung dreidimensional wirkender Bilder. Die 1980 patentierte Technologie basiert auf dem Einsatz konkaver Spiegel, die im Gegensatz zu flachen Spiegeln Bilder mit räumlicher Tiefe erzeugen können.
Das System funktioniert, indem eine Videokamera das scheinbar frei im Raum schwebende Spiegelbild eines Objekts aufnimmt. Dieses Signal wird an einen zweiten Standort übertragen, wo ein weiterer konkaver Spiegel das Bild so projiziert, dass erneut der Eindruck eines dreidimensionalen, realen Objekts entsteht. Dadurch können optische 3D-Illusionen übertragen werden.
Die Idee entstand 1976 nach der Beobachtung einer Spiegelinstallation, bei der eine Glühbirne scheinbar frei über einer Fassung schwebte. Thomas erkannte das Potenzial dieser optischen Täuschung und entwickelte daraus ein übertragbares Bildsystem.
Der Illusion Transmitter gilt als ein früher Beitrag zur Entwicklung von 3D-Bildgebung und Visualisierungstechnologien und wird häufig als Beispiel für innovative Anwendungen optischer Projektion genannt.
Valerie L. Thomas, langjährige Mitarbeiterin der NASA und Expertin für Bilddatenanalyse, verfolgte mit ihrer Erfindung kein primär kommerzielles Ziel. Dennoch gilt der Illusion Transmitter als bemerkenswerte Innovation im Bereich der optischen Bildübertragung.
Am 10. Dezember 1913 wird Rabindranath Tagore als erster nicht europäischer Literaturnobelpreisträger ausgezeichnet. Die Schwedische Akademie würdigt seine „tief empfindsame, frische und schöne Dichtung“, mit der er besonders durch die englische Übersetzung seines Gedichtbandes "Gitanjali" sein poetisches Denken in die Weltliteratur eingebracht habe.
Tagore (1861–1941) war Dichter, Philosoph, Komponist, Pädagoge und Maler. In Indien lebend verband er literarisches Schaffen mit politischer und sozialer Verantwortung. Er kritisierte die britische Kolonialherrschaft offen und gab 1919 aus Protest gegen das Massaker von Amritsar seinen britischen Adelstitel zurück. Gleichzeitig entwickelte er Bildungs und Reformprojekte, unter anderem die Schule Santiniketan, aus der später die internationale Universität Visva Bharati hervorging.
Sein Werk bewegt sich zwischen Lyrik, Musik, Philosophie und Malerei. Die Texte zweier Nationalhymnen stammen von ihm, der indischen Jana Gana Mana und der bangladeschischen Amar Shonar Bangla.
Mit dem Nobelpreis wurde Tagore weltweit bekannt. Seine kritische Haltung gegenüber imperialer Macht und seine Vision einer kulturell verbundenen Welt entwickelten sich jedoch unabhängig von westlicher Anerkennung.
Simone de Beauvoirs Le Deuxième Sexe (Das andere Geschlecht, 1949; dt. 1951) gilt als ein Schlüsseltext des modernen Feminismus. Beauvoir beschreibt darin „Frau“ nicht als naturgegebenes Schicksal, sondern als soziale und historische Konstruktion. Im ersten Teil untersucht sie „Fakten und Mythen“ über Weiblichkeit. Im zweiten Teil („Gelebte Erfahrung“) zeigt sie, wie Mädchen und Frauen gesellschaftlich dazu werden, was als „weiblich“ gilt. Das berühmte Schlüsselzitat lautet: „Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es.“ Wichtig ist dabei, dass dieses „Werden“ nicht nur passiv verstanden wird. Es verweist auch auf Handlungsspielräume, auch wenn diese durch gesellschaftliche Machtverhältnisse begrenzt sind.
Beauvoir analysiert, wie Männer sich als Norm setzen und Frauen als „das Andere“ markieren. Weiblichkeit erscheint dadurch als Abweichung vom männlichen Maßstab, als „zweites“ Geschlecht. Diese Ordnung prägt Körperbilder, Erziehung, Sexualität, Arbeit, Familie und Selbstwahrnehmung und kann bis zur Entfremdung vom eigenen Körper sowie zur Einschränkung von Autonomie führen. Gleichzeitig betont Beauvoir im existenzialistischen Sinne die menschliche Freiheit, aus der gesellschaftlichen Immanenz auszubrechen und sich handelnd auf die Zukunft zu beziehen.
Ihre Wirkung entfaltete Beauvoirs Werk besonders in der zweiten Frauenbewegung der 1960er und 1970er Jahre und wurde zu einem grundlegenden Referenztext des modernen, insbesondere westlichen Feminismus.
Im Jahr 1952 veröffentlichten Arno und Anneliese Peters ihren Geschichtsatlas „Synchronoptische Weltgeschichte”. Laut dem Vorwort des Werkes wollten sie damit zu einem allgemeinen Verständnis der Vergangenheit beitragen. Bereits in diesem Werk legen sie einen besonderen Fokus auf Aspekte, die in der bisherigen Geschichtsschreibung nicht berücksichtigt wurden. Dabei erhielten sie die Unterstützung zahlreicher weiterer Historiker*innen.
In dem Werk dokumentieren sie die Menschheitsgeschichte von 1000 v. Chr. bis 1952 n. Chr. in den hier gekürzt dargestellten Kategorien: Kriege, Politik, weltgeschichtliche Persönlichkeiten, Kultur, Wirtschaft und Kulturepochen.
Dabei bauen sie auf einer langen Tradition der Zeitkartografie auf.
- herodot: Zeitkartografie und Ereignisnetze
- Staatsbibiliothek zu Berlin: Der Digitale Peters: Die größte Weltkarte der Zeit macht die unsichtbaren Zusammenhänge der Geschichte sichtbar
- Arno und Anneliese Peters (Frankfurt am Main 1952): Synchronoptische Weltgeschichte
Der Digitale Peters ist eine digitale Weiterentwicklung der Synchronoptischen Weltgeschichte von Anneliese und Arno Peters. Peters entwickelte dafür ein Darstellungsverfahren, bei dem historische Ereignisse verschiedener Bereiche parallel entlang einer Zeitachse angeordnet werden. Durch diese synchronoptische Darstellung sollen historische Entwicklungen und Zusammenhänge leichter vergleichbar und sichtbar werden.
Die digitale Ausgabe entstand in Kooperation mit dem Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften an der Universität Trier. Sie ergänzt das ursprüngliche Buch um Such-, Verknüpfungs- und Navigationsfunktionen. Nutzer*innen können historische Ereignisse und Personen recherchieren, ihre Zusammenhänge nachvollziehen und eigene thematische Zeitkarten erstellen.
Als Bauernkrieg werden überregionale Aufstände in Teilen des Heiligen Römischen Reichs bezeichnet, die nach einem ersten Aufflammen im Jahr 1524, 1525 ihren Höhepunkt erreichten. Sie wurden maßgeblich von der ländlichen Bevölkerung getragen und hatten in erster Linie eine Verbesserung ihrer Rechtsstellung gegenüber der Obrigkeit sowie ihrer wirtschaftlichen Lebensbedingungen zum Ziel. Am 6. März 1525 präsentierten die Aufständischen ihre Forderungen in den „Zwölf Artikeln“. Unter dem Eindruck der Reformation sollte die Gesellschaftsordnung nach einem aus der Bibel abgeleiteten „göttlichen Recht“ ausgerichtet werden.
Trotz anfänglicher Versuche gütlicher Verhandlungen leiteten die Landesherren der betroffenen Gebiete , maßgeblich der Schwäbische Bund als Zusammenschluss süddeutscher Reichsstände, militärische Maßnahmen gegen die vielerorts in sogenannten „Haufen“ zusammengeschlossenen Aufständischen ein. Binnen weniger Monate wurden die Erhebungen niedergeschlagen; Zehntausende der daran Beteiligten kamen dabei ums Leben.
In der DDR wurde der Bauernkrieg von 1525 von der offiziellen Geschichtsschreibung vereinnahmt und teilweise als eine Art frühsozialistische Revolution interpretiert. Möglicherweise liegt es auch daran, dass der Aufstand von Bäuerinnen, Leibeigenen und einfachen Stadtbürgerinnen in Südwest- und Mitteldeutschland heute nur eine geringe Rolle in der deutschen Erinnerungskultur spielt.
1532 begann mit der Gefangennahme des Inka-Herrschers Atahualpa durch die Expedition von Francisco Pizarro die spanische Unterwerfung des Inka-Reiches. Die koloniale Expansion ging mit massiver Gewalt, der Zerstörung politischer Strukturen und der Ausbeutung der lokalen Bevölkerung einher. Gleichzeitig eigneten sich europäische Kolonisator*innen Pflanzen, Rohstoffe und medizinisches Wissen aus den Amerikas an. Ein Prozess, der häufig als Teil des sogenannten kolumbianischen Austauschs beschrieben wird.
In Cajamarca griffen spanische Truppen 1532 Atahualpas Gefolge in einem vorbereiteten Hinterhalt an, töteten Tausende Menschen und nahmen den Inka-Herrscher gefangen. Trotz eines großen Lösegelds aus Gold und Silber ließen sie ihn 1533 hinrichten. Noch im selben Jahr nahmen die Spanier die Hauptstadt Cuzco ein.
Widerstand gegen die koloniale Herrschaft formierte sich unter Manco Inca II., der 1536 einen Aufstand anführte und den Kampf aus der Region Vilcabamba fortsetzte. Der letzte unabhängige Inkaherrscher Túpac Amaru I. wurde 1571 von den spanischen Kolonialbehörden gefangen genommen und hingerichtet. Erst rund 40 Jahre nach dem ersten Eindringen der spanischen Truppen gelang es der spanischen Kolonialmacht, das Inkareich vollständig unter ihre Kontrolle zu bringen.
Der Krieg zwischen dem Osmanischen Reich und einer europäischen Allianz unter Führung der Habsburgermonarchie begann 1683 mit der Belagerung Wiens durch ein osmanisches Heer unter Großwesir Kara Mustafa. Auslöser waren langfristige Macht- und Territorialkonflikte um Ungarn und Südosteuropa.
Nach dem Entsatz Wiens am 12. September 1683 formierte sich 1684 eine Koalition aus Habsburg, Polen-Litauen, Venedig und später Russland. Der Krieg verlagerte sich nach Ungarn und auf den Balkan. Mit der Rückeroberung Budás (heute Teil der ungarischen Hauptstadt Budapest) und dem Sieg bei Zenta (1697) geriet das Osmanische Reich zunehmend in die Defensive.
Der Frieden von Karlowitz (1699) markierte eine entscheidende Machtverschiebung: Fast ganz Ungarn und Siebenbürgen (heute Teil Rumäniens) fielen an die Habsburger. Damit verlor das Osmanische Reich erstmals dauerhaft größere Gebiete in Mitteleuropa.
Der Krieg war weniger ein „Kampf der Kulturen“ als ein dynastischer und territorialer Machtkonflikt zwischen Großreichen. Religiöse Rhetorik spielte zwar eine mobilisierende Rolle, doch entscheidend waren strategische Interessen, Bündnispolitik und die Kontrolle von Ressourcen und Handelsräumen. In der späteren Erinnerung wurde das Ereignis häufig ideologisch überhöht, die neuere Forschung betont jedoch die komplexen politischen und militärischen Strukturen hinter dem Konflikt.
- Habsburger.net: „Zweite Türkenbelagerung Wiens 1683“
- Bernhard R. Kroener (1985): Wien 1683. Internationale Politik und Kriegführung im 17. Jahrhundert – Probleme der Forschung, in: Zeitschrift für Historische Forschung 12, S. 181–216.
- Dieter Mertens, in: Heinz Duchhardt (Hg.) (Köln 1991): Europäischer Friede und Türkenkrieg im Spätmittelalter: Zwischenstaatliche Friedenswahrung in Mittelalter und Früher Neuzeit, S. 45–90.
Marktfrauen aus Paris beschlossen am 5. Oktober 1789, nach Versailles zum königlichen Palais zu marschieren. Auslöser waren steigende Brotpreise und Versorgungsengpässe in der Hauptstadt. Brot war das wichtigste Grundnahrungsmittel der städtischen Bevölkerung. Vom Pariser Rathaus zogen mehrere Tausend Demonstrierende in Richtung Versailles, begleitet von Einheiten der Nationalgarde.
Zeitgenössische Berichte sprechen von bis zu 7.000 Frauen. In Versailles drangen Teile der Menge in das Schloss ein, mehrere königliche Leibgardisten wurden getötet. Unter dem Druck der Demonstrierenden sah sich Ludwig XVI. gezwungen, die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte anzuerkennen und eine bessere Versorgung mit Getreide zu versprechen. Am 6. Oktober 1789 musste der König schließlich mit seiner Familie nach Paris übersiedeln, wo er im Tuilerienpalast unter die Kontrolle der revolutionären Öffentlichkeit geriet.
Der Marsch nach Versailles gilt als wichtiger Wendepunkt der frühen Revolution. Historiker*innen sehen darin zugleich einen bedeutenden Moment weiblicher Politisierung und der politischen Mobilisierung der Pariser Bevölkerung.
- WDR
- Leonie Schöler (2024, Penguin Verlag, München): Beklaute Frauen
Nach Jahrzehnten erfolgloser parlamentarischer Kampagnen radikalisierte sich Anfang des 20. Jahrhunderts ein Teil der britischen Frauenbewegung. Die Suffragetten sorgten mit militanten Aktionen wie Demonstrationen, Zwischenrufen bei Versammlungen, Fensterzerstörungen, Hungerstreiks und später gezielter Zerstörung von Eigentum für Aufsehen. Ihr Slogan „Taten statt Worte“ verdeutlichte, dass sie durch öffentliches Handeln politische Aufmerksamkeit erzeugen wollten.
Die Bewegung entstand 1903 mit der Gründung der Women’s Social and Political Union (WSPU) durch Emmeline Pankhurst. Im Gegensatz zu den konstitutionellen Suffragistinnen, die vor allem parlamentarische Mittel nutzten, setzten die Suffragetten auf direkte Protestformen, gezielte Öffentlichkeitswirkung und die Mobilisierung der Bevölkerung. In der WSPU waren Männer offiziell ausgeschlossen, aber es existierten unterstützende Männerorganisationen wie die Men’s League for Women’s Suffrage.
Die Entwicklung der WSPU lässt sich in vier Phasen gliedern: von der Eroberung der Öffentlichkeit (1903–1908) über eine Radikalisierung mit zunehmenden Verhaftungen und Hungerstreiks (1909–1911), bis zu gewaltsamen Aktionen gegen Eigentum (1911–1914). Mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs erklärten sich die Suffragetten patriotisch, setzten die militanten Aktionen aus und engagierten sich stattdessen im Kriegsdienst.
Trotz der umstrittenen Methoden trugen die Suffragetten entscheidend dazu bei, das Frauenstimmrecht in die öffentliche Debatte zu bringen, neue Protestformen bekannt zu machen und das Bild der passiven Frau zu verändern. 1918 wurde schließlich das eingeschränkte Frauenwahlrecht eingeführt, zunächst für Frauen ab 30 Jahren, die bestimmte Besitzkriterien erfüllten. Das vollständige Wahlrecht für Frauen ab 21 kam erst 1928.
- bbc
- Deutschlandfunk
- Jana Günther für Aus Politik und Zeitgeschichte/bpb.de
- Leonie Schöler (2024, Penguin Verlag, München): Beklaute Frauen
Mit 15 Jahren kam die deutsche Prinzessin Sophie von Anhalt-Zerbst nach Russland und heiratete 1745 mit 16 den späteren Zar Peter III. Als Katharina die Große regierte sie 34 Jahre lang. Sie verfolgte die Ideale der Aufklärung, förderte Literatur und Bildung, ließ deutsche Siedler an der Wolga ansiedeln und bemühte sich um eine Modernisierung der Verwaltung.
Katharina setzte Reformen im Schulwesen um, führte Impfkampagnen gegen Pocken durch und versuchte, diskutierte Reformen der Leibeigenschaft, stieß dabei jedoch auf Widerstand des Adels, der ihre Reformen blockierte. Unter ihrer Herrschaft stieg die Bevölkerung von etwa 20 auf 36 Millionen, und Russland vergrößerte sein Territorium durch Kriege gegen das Osmanische Reich, die Annektierung der Krim sowie durch die drei Teilungen Polens.
Als Katharina 1796 starb, hinterließ sie ein modernisiertes, multiethnisches Reich mit gestärkter Stellung in Europa, das trotz sozialer Ungleichheiten auf dem Weg in die Moderne war.
- Deutschlandfunke: Wie Katharina die Große aus Russland eine Großmacht machte
- National Geographic: Idealistisch und knallhart: Katharina die Große
- Arno und Anneliese Peters (Frankfurt am Main 1952): Synchronoptische Weltgeschichte
Olympe de Gouges (1748–1793), geboren als Marie Gouze, war eine französische Schriftstellerin und politische Aktivistin während der Französischen Revolution. 1791 veröffentlichte sie die "Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin" als direkte Antwort auf die Menschen- und Bürgerrechtserklärung von 1789, die Frauen von politischer Teilhabe ausschloss. Darin forderte sie die rechtliche und politische Gleichstellung von Frauen und Männern, unter anderem das Recht auf Mitbestimmung, Zugang zu öffentlichen Ämtern und Gleichheit vor dem Gesetz. Ihr zentraler Gedanke war, dass die Nation aus Frauen und Männern bestehe und politische Rechte daher beiden gleichermaßen zustünden.
De Gouges engagierte sich zudem gegen die Sklaverei und kritisierte die Todesstrafe sowie die zunehmende Radikalisierung der Revolution. Mit ihren Schriften und öffentlichen Stellungnahmen machte sie sich angreifbar. 1793 wurde sie wegen angeblichen Hochverrats verhaftet und schließlich hingerichtet. Heute wird sie als eine der frühen Vertreterinnen der Frauenrechte und als wichtige Stimme der Revolutionszeit gewürdigt.
- FrauenMediaTurm – Feministisches Archiv und Bibliothek
- Die Zeit
- Leonie Schöler (2024, Penguin Verlag, München): Beklaute Frauen
Der britische Naturforscher Charles Darwin prägte mit seiner Evolutionstheorie das moderne Verständnis von der Entstehung und Veränderung der Arten. Während seiner fünfjährigen Reise auf der HMS Beagle (1831–1836) sammelte er Tausende Tiere, Pflanzen, Fossilien und geologische Beobachtungen. Besonders die unterschiedlichen Arten auf den Galápagos-Inseln führten ihn zu der Frage, ob Arten nicht unveränderlich sind, sondern sich über lange Zeiträume an ihre Umwelt anpassen.
1859 veröffentlichte Darwin sein Hauptwerk On the Origin of Species. Darin erklärte er, dass sich Arten durch Variation und natürliche Selektion verändern: Individuen mit günstigen Eigenschaften haben bessere Chancen zu überleben und sich fortzupflanzen. Darwins Werk markierte einen Wendepunkt in der Wissenschaftsgeschichte, weil es die Vielfalt des Lebens nicht mehr als einmaligen Schöpfungsakt, sondern als Ergebnis eines langen Entwicklungsprozesses deutete. Trotz heftiger Kritik wurde seine Theorie zur Grundlage der modernen Biologie.
Seit der Veröffentlichung der Evolutionstheorie kommt es immer wieder zu Konflikten mit religiösen Vorstellungen über die Entstehung der Welt. Besonders der Kreationismus stellt Darwins Erkenntnisse in Frage. Diese Weltanschauung geht davon aus, dass die Erde und das Leben durch einen göttlichen Schöpfungsakt entstanden seien und lehnt die biologische Evolution ab. Kreationistische Positionen treten bis heute in öffentlichen Debatten, im Bildungsbereich und in politischen Auseinandersetzungen auf.
Gleichzeitig wird Darwins Theorie häufig mit dem Sozialdarwinismus und rassistischen Ideologien in Verbindung gebracht. Historische Forschungen zeigen jedoch, dass viele dieser Ideen nicht direkt aus Darwins wissenschaftlicher Arbeit hervorgingen. Vielmehr wurden einzelne Begriffe und Konzepte aus der Evolutionstheorie im 19. und frühen 20. Jahrhundert politisch umgedeutet und mit imperialistischen, nationalistischen oder religiösen Vorstellungen verbunden. Darwins naturwissenschaftliche Theorie selbst zielte darauf ab, die Entwicklung der Arten zu erklären.
- ARD: Charles Darwin beschreibt die Evolution - eine Revolution!
- Geolino
- Luxemburg: Unser Lebensrecht ist nicht diskutierbar!
- Rosa-Luxemburg-Stiftung: Darwins Evolutionstheorie und Kritik des Kreationismus
- Arno und Anneliese Peters (Frankfurt am Main 1952): Synchronoptische Weltgeschichte
Der Wandel der Demokraten war längst überfällig. Bei den Präsidentschaftswahlen 1860 hatte ihre Spaltung zwischen Nord- und Süddemokraten dem Republikaner und Gegner der Sklaverei Abraham Lincoln den Sieg ermöglicht. Lincoln, der 16. Präsident der Vereinigten Staaten, stammte aus einfachen Verhältnissen in Kentucky, bildete sich weitgehend autodidaktisch weiter und arbeitete später als Anwalt in Illinois. Nationale Bekanntheit erlangte er durch seine Debatten mit Stephen A. Douglas im Jahr 1858.
Nach Lincolns Wahl 1860 spalteten sich mehrere Südstaaten ab und gründeten die Konföderierten Staaten von Amerika, was zum Sezessionskrieg (1861–1865) führte. Lincoln betrachtete die Abspaltung als verfassungswidrig und bestand auf dem Erhalt der Union. Mit der Emancipation Proclamation erklärte er die Versklavten in den rebellierenden Staaten für frei. Die Erklärung war zunächst eine militärische Maßnahme im Krieg, veränderte jedoch grundlegend den Charakter des Konflikts und bereitete die vollständige Abschaffung der Sklaverei vor.
Nach dem verlorenen Bürgerkrieg vereinten sich die Demokraten schließlich wieder, blieben aber eine Partei mit zwei Gesichtern, wenn es um die Frage der Segregation ging. Im Süden waren die Demokraten deren entschlossene Verteidiger und dominierten deshalb die ehemaligen Staaten der abtrünnigen Konföderation, den „Solid South“, für über einhundert Jahre. Lincoln selbst setzte nach seiner Wiederwahl 1864 auf eine vergleichsweise milde Reintegration der Südstaaten. Doch dazu kam es nur begrenzt: Am 14. April 1865 wurde er von dem Südstaatensympathisanten John Wilkes Booth ermordet.
Seine Politik wird differenziert diskutiert, zum einen wegen seiner Haltung zur Gleichberechtigung Schwarzer Amerikaner*innen, aber auch wegen der weitreichenden Vollmachten des Präsidenten im Krieg.
- Kathrin Fromm (2010) Abraham Lincoln
- Libary Of Congress
- Rosa-Luxemburg-Stiftung: Der Civil Rights Act von 1964
- Arno und Anneliese Peters (Frankfurt am Main 1952): Synchronoptische Weltgeschichte
Mathilde Franziska Anneke war eine der bedeutendsten Revolutionärinnen und Frauenrechtlerinnen des 19. Jahrhunderts. Geboren in Deutschland, wuchs sie in einer wohlhabenden Familie auf, erhielt eine ungewöhnlich gute Bildung für ein Mädchen ihrer Zeit und entwickelte früh ein Interesse an politischen und gesellschaftlichen Fragen. Nach einer gescheiterten Ehe begann sie als Schriftstellerin und Journalistin zu arbeiten und setzte sich in ihren Texten für soziale Gerechtigkeit, Religionskritik und die Rechte von Frauen ein.
Während der Revolution von 1848/49 engagierte sie sich aktiv in der demokratischen Bewegung. In Köln gründete sie gemeinsam mit ihrem Mann Fritz Anneke eine Zeitung und veröffentlichte später eine „Frauen-Zeitung“, in der sie Gleichberechtigung und Bildung für Frauen forderte. Nach der Niederschlagung der Revolution nahm sie auch am badisch-pfälzischen Aufstand von 1849 teil und ritt als Ordonnanzoffizierin und Berichterstatterin. Nach dem Scheitern der Revolution floh sie wie viele sogenannte „Forty-Eighters“ ins Exil in die USA.
In den Vereinigten Staaten entwickelte sich Anneke zu einer wichtigen Stimme der Frauenstimmrechtsbewegung und engagierte sich zugleich gegen die Sklaverei. In Milwaukee gründete sie eine fortschrittliche Mädchenschule und arbeitete weiterhin als Journalistin, Autorin und Aktivistin. Bis zu ihrem Tod 1884 setzte sie sich für politische Teilhabe, Bildung und Gleichberechtigung ein.
Anneke verband bereits im 19. Jahrhundert zentrale Kämpfe miteinander: den Einsatz für Demokratie, Frauenrechte und die Abschaffung der Sklaverei. Trotz ihrer internationalen Bedeutung geriet sie lange in Vergessenheit und wird erst seit einigen Jahrzehnten wieder stärker als wichtige Figur der Demokratie- und Frauenbewegung gewürdigt.
Karl Marx wurde am 5. Mai 1818 in Trier geboren und entwickelte sich zu einem der einflussreichsten Gesellschaftstheoretiker des 19. Jahrhunderts. Nach Studien in Bonn und Berlin arbeitete er zunächst als Journalist, geriet jedoch wegen seiner politischen Positionen in Konflikt mit der preußischen Zensur und lebte fortan im Exil, zuletzt in London. Gemeinsam mit Friedrich Engels verfasste er 1848 das „Kommunistische Manifest“. In seinem Hauptwerk „Das Kapital“ von 1867 analysierte Marx die Funktionsweise des Kapitalismus, insbesondere Ausbeutung, Klassenverhältnisse und ökonomische Krisen. Seine materialistische Geschichtsauffassung versteht gesellschaftliche Entwicklungen als Ergebnis wirtschaftlicher Bedingungen und sozialer Konflikte.
Marx dachte jedoch nicht nur über Ökonomie, sondern auch über die Befreiung des Menschen aus Verhältnissen von Unterdrückung, Abhängigkeit und Entfremdung nach. Zugleich wird sein Werk heute kritisch daraufhin befragt, dass Fragen von Geschlecht, Sorgearbeit und der konkreten Lebensrealität von Frauen darin oft nachgeordnet blieben. In der Forschung wird zudem diskutiert, welchen Anteil seine Frau Jenny Marx und seine Tochter Eleanor Marx an seinem Denken, seiner politischen Arbeit und der Verbreitung seiner Schriften hatten. Marx’ Ideen prägten sozialistische und kommunistische Bewegungen weltweit, wurden jedoch sehr unterschiedlich interpretiert und politisch instrumentalisiert. Bis heute bleibt er ein zentraler Bezugspunkt für die Kritik kapitalistischer Gesellschaften.
- bpb: Karl Marx -Denker, Revolutionär, Utopist 1818 -1883 -1968
- Lebendiges Museum: Karl marx
- Rosa Luxemburg Stiftung: Karl Marx – Ein revolutionärer Denker
- Wolfgang Hammern (1968) Karl Marx, Prophet der neuen Gesellschaft
- Arno und Anneliese Peters (Frankfurt am Main 1952): Synchronoptische Weltgeschichte
- Leonie Schöler (2024, Penguin Verlag, München): Beklaute Frauen
Mary Booth war Abolitionistin und Autorin. Als Kämpferin gegen die Sklaverei verfasste sie gemeinsam mit Mathilde Franziska Anneke zahlreiche Texte.
Mary Louise Booth wurde am 19. April 1831 in Millville im Bundesstaat New York geboren und entwickelte sich zu einer bedeutenden amerikanischen Journalistin, Übersetzerin und Publizistin. Nach kurzer Tätigkeit als Lehrerin zog sie nach Manhattan, wo sie tagsüber als Näherin arbeitete und nachts schrieb und studierte. Sie veröffentlichte Artikel in verschiedenen Zeitungen und arbeitete unter anderem als Reporterin für die New York Times. Besonders bekannt wurde sie durch ihre zahlreichen Übersetzungen aus dem Französischen, darunter Werke von Blaise Pascal und Victor Cousin.
Während des amerikanischen Bürgerkriegs engagierte sich Booth öffentlich gegen die Sklaverei und übersetzte mehrere politisch einflussreiche Texte, die die Sache der Union unterstützten und breite Aufmerksamkeit fanden. 1867 wurde sie zur ersten Chefredakteurin der Zeitschrift Harper’s Bazar ernannt und prägte das Magazin über viele Jahre hinweg.
Booths journalistische, literarische und politische Arbeit steht exemplarisch für den Einfluss von Frauen auf die Reformbewegungen des 19. Jahrhunderts und ist eng mit den transatlantischen Netzwerken der Frauen- und Abolitionsbewegung verbunden.
„Her mit dem Frauenwahlrecht“ forderte Rosa Luxemburg schon 1912 beim II. sozialdemokratischen Frauentag. Die promovierte Staats- und Wirtschaftswissenschaftlerin, Rednerin und Journalistin war eine der profiliertesten Stimmen des linken Flügels der Sozialdemokratie. Sie agitierte für eine internationale Arbeiterbewegung, gegen Militarismus und gegen den Ersten Weltkrieg. 1918/19 gehörte sie zu den Mitbegründerinnen und Mitbegründern der KPD.
Luxemburg verband die Forderung nach sozialer Gleichheit mit politischer Freiheit und trat entschieden gegen autoritäre Entwicklungen auf. Zugleich blieb sie auch gegenüber der russischen Revolution kritisch und warnte früh vor der Ausschaltung innerparteilicher Demokratie. Als jüdische Frau in der Politik war sie vielfachen Anfeindungen ausgesetzt. Nach ihrer Ermordung am 15. Januar 1919 wurde sie sehr unterschiedlich erinnert: diffamiert, verehrt und immer wieder neu gelesen. Bis heute inspiriert und polarisiert Rosa Luxemburg als radikale Sozialistin, Internationalistin und Kritikerin von Krieg, Kapitalismus und politischer Unterdrückung.
Elisabeth Selbert war Juristin, Sozialdemokratin und eine der vier „Mütter des Grundgesetzes“. Als Mitglied des Parlamentarischen Rates, der 1948 das Grundgesetz ausarbeitete, setzte sie sich entschlossen für die Aufnahme des Satzes „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ in Artikel 3 Absatz 2 ein. Unter den 65 Mitgliedern des Rates war Selbert eine von nur vier Frauen.
Ihr Antrag wurde zunächst abgelehnt. Daraufhin mobilisierte Selbert gezielt Presse und Öffentlichkeit. Zahlreiche Frauenverbände und Einzelpersonen protestierten beim Parlamentarischen Rat, sodass schließlich am 18. Januar 1949 der Gleichheitsgrundsatz als unveräußerliches Grundrecht ins Grundgesetz aufgenommen wurde.
Selbert hatte ihr Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nachgeholt, Jura studiert und während der NS-Zeit als Anwältin gearbeitet. Nach 1945 engagierte sie sich politisch für die SPD, unter anderem im Hessischen Landtag. Die Gleichberechtigung von Frauen blieb ihr zentrales politisches Anliegen.
Audre Lorde war eine der bedeutendsten Dichterinnen, Autorinnen, feministischen Theoretikerinnen und Aktivistinnen des 20. Jahrhunderts. Bis heute sind ihre Werke international wegweisend für Schwarze und feministische Befreiungsbewegungen.
Lorde nutzte Lyrik, Essays und autobiografische Texte, um Rassismus, Sexismus, Homophobie und andere Formen gesellschaftlicher Ungerechtigkeit offen zu benennen und zu analysieren. In Werken wie The Cancer Journals und Sister Outsider verband sie persönliche Erfahrungen mit scharfer Kritik sozialer Unterdrückung und prägte damit feministische, antirassistische und queere Diskurse nachhaltig.
Neben ihrer schriftstellerischen Arbeit engagierte sie sich aktiv in Bürgerrechtsbewegungen und setzte sich für Frauenrechte, queere Selbstbestimmung und die Sichtbarkeit marginalisierter Stimmen ein. In den 1980er Jahren war sie mehrfach Gastprofessorin in Berlin und inspirierte dort maßgeblich feministische und afro-deutsche Aktivist*innen.
- Hoffmann, Jule (2024): Audre Lorde Austellung über eine Ikone der Afro-deutschen Frauenbewegung, in: Deutschlandfunk Kultur
- Kraft, Marion (2018): Audre Lorde, in: Digitales Deutsches Frauenarchiv URL: https://www.digitales-deutsches-frauenarchiv.de/akteurinnen/audre-lorde Zuletzt besucht am: 27.02.2026
- National Women’s History Museum. (o. J.). Audre Lorde
bell hooks (eigentlich Gloria Jean Watkins) war Literaturwissenschaftlerin, Autorin und Aktivistin, die Feminismus konsequent intersektional dachte, sprich im Zusammenspiel von Sexismus, Rassismus und Klassismus. Ihren Künstlerinnennamen wählte sie nach ihrer Urgroßmutter und schrieb ihn bewusst in Kleinbuchstaben, um den Fokus auf Inhalte statt auf ihre Person zu legen. Akademisch ausgebildet (u. a. Stanford, University of Wisconsin–Madison, Promotion Anfang der 1980er Jahre), lehrte sie an verschiedenen Hochschulen und gründete später am Berea College das bell hooks center. In ihren über 30 Büchern verbindet sie Theorie, Alltag und Kulturkritik. Sie analysiert, wie Patriarchat und Kapitalismus in Medien, Beziehungen, Arbeit, Bildung und Körperbildern wirken und wie Befreiung nur gelingen kann, wenn alle mitgedacht werden.
Sie kritisiert, dass Feminismus historisch meist von weißen Mittelschichtsperspektiven dominiert wird und dadurch Klassen- und Rassismusfragen an den Rand gedrängt werden. Ihre Vision ist eine solidarische, inklusive Gesellschaft, in der Feminismus als Praxis von Gerechtigkeit und Freiheit verstanden wird.